Filmtipp: 'Black Swan'

Veröffentlicht auf 27. Juni 2015

Filmtipp: 'Black Swan'

Perfektion ist nicht nur eine Frage der Kontrolle, sondern auch des Fallen lassens.

Aronofsky nimmt sich für seinen Film kein geringeres Werk zur Vorlage als Pjotr Iljitsch Tschaikowskis berühmten "Schwanensee". Er inszeniert dies als seine ganz eigene, moderne, im Kern aber gleichbleibende Version des bekannten Stückes und formt alles nach und nach zu einem Psychotrip der besonderen Art... Er erzählt die Geschichte der jungen, zielstrebigen Balletttänzerin Nina, die außerordentlich talentiert ist. Sie kämpft darum, bei der Neuauflage des "Schwanensees" die begehrte Doppelrolle , die des weißen und die des schwarzen Schwanes, zu erhalten. Während sie die Performance des weißen Schwans mit bravour meistert und den Ballettdirektor und ihre Kollegen gleichermaßen beeindruckt, fällt es ihr zunehmend schwerer in die Rolle des schwarzen Schwans zu schlüpfen. Sie will die vollkommene Perfektion für beide Rollen erreichen, jeden Tanzschritt hundertprozentig genau vollziehen und ganz groß rauskommen. Doch als schwarzer Schwan muss sie über sich hinauswachsen. In dieser Rolle geht es nicht direkt um Perfektion, vielmehr geht es darum sich fallen zu lassen, die Performance auf sich zukommen zu lassen und eins mit der Rolle zu werden und sich voll und ganz gehen zu lassen. Doch der Druck ist einfach zu groß und Nina vermag Realität von Einbildung nicht mehr zu unterscheiden. Sie spielt psychisch verrückt, fügt sich selbst Schmerzen zu und wird regelrecht paranoid. Und genau daran droht die zierliche Nina langsam aber sicher zu zerbrechen...

Meinung: Vorweg muss ich sagen, dass man diesen Film wohl mindestens 3 mal geguckt haben muss, um das Ganze zu erfassen. Durch verstörende Bilder, Halluzinationen der Hauptfigur, Verletzungen, Selbstverstümmelung drängt sich für uns als Zuschauer vor allem der Charakter als Horrorfilm auf. Zunehmend verliert man die Anhaltspunkte, immer loser und verschwommener erscheinen die Rollen und Situationen, sodass man bewusst leicht den Überblick verliert. Was ist Realität? Was Wahnsinn?

Black Swan ist ein fesselndes Drama, welches auch auf psychologischer Ebene sehr beindruckend ist. Allein die Szenen welche Ninas Wahnsinn symboliseren lassen einem ein Schaudern über den Rücken laufen. Wer hier ein langweiliges Balletdrama erwartet ist definitv falsch. Vielmehr ist 'Black Swan' eine beindruckende Studie über die Psyche des Menschen und über den Wunsch nach Perfektion. Der Film fängt leise, anmutig, grazil an. Es geht um Kontrolle, Kunst und das Leben. Man erlebt eine Geschichte, deren Puls eine Psychose ist. Die letzte halbe Stunde trieb mir den Schweiß ins Gesicht, erschrak mich, ließ mir keinen ruhigen Moment mehr. Die Geschichten von Nina und Tschaikowskis 'Schwanensee' drohen immer mehr zu verschmelzen, die beiden Erzählebenen geben sich die Hand, bis letztendlich alles zu einem wird. Das ist Erzählkunst. Durch die lebhafte Kameraführung wird eine Sogwirkung erzeugt, die manchmal graziös wie ein weiterer Tänzer um die Akteure herumschwirrt, an anderer Stelle hartherzig von der einen Handlung zur anderen schwenkt, und zeitweise einfach in Ehrfurcht vor dem Schauspiel verharrt. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich diesen Film beschreiben soll. Es geht um weit mehr als ich hier schreiben kann.

Fazit: Ich bin rundum begeistert von diesem Stück! Ein Film, der dem Begriff „Perfektion“ würdig ist. Der schönste Tanz der Welt, vermischt mit der anmutigsten Musik Tschaikowskis ergeben ein Meisterwerk voller Emotionalität und Leidenschaft. Dies wird mit einem hervorragenden Cast unterstrichen. Besonders Natalie Portman brilliert jede einzelne Sekunde. Ein Film, der bis zum perfekten Schluss nicht an Spannung verliert.

Summer♥

Es war Perfekt. Ich war Perfekt.

Geschrieben von Summer

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