Buchbewertung: 'Gehe, stelle einen Wächter'

Veröffentlicht auf 1. November 2015

Buchbewertung: 'Gehe, stelle einen Wächter'

Die Insel eines jeden Menschen, der Wächter eines jeden Menschen ist sein Gewissen. So etwas wie ein kollektives Gewissen gibt es nicht.

Vorab ist zu sagen, dass es sich bei diesem Roman um eine Weltsensation handelt. "Gehe hin, stelle einen Wächter" ist nämlich ein verschollenes Manuskript, das Jahrzehnte in einer Schublade lag. Aus diesem entstand nach starker Überarbeitung und Veränderung der amerikanische Klassiker “Wer die Nachtigall stört”, welches 50 Jahre lang Lees einziger Roman war.

Inhalt:

In „Gehe hin, stelle einen Wächter“ treffen wir die geliebten Charaktere aus „Wer die Nachtigall stört“ wieder, 20 Jahre später: Eine inzwischen erwachsene Jean Louise Finch, „Scout“, kehrt zurück nach Maycomb und sieht sich in der kleinen Stadt in Alabama, die sie so geprägt hat, mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontiert, die nicht zuletzt auch ihr Verhältnis zu ihrem Vater Atticus infrage stellen.

Meinung:

Nachden mir "Wer die Nachtigall stört" (engl. "To Kill a Mockingbird") so gut gefallen hat war ich natürlich sehr gespannt auf dieses Werk. Man merkt beim Lesen sofort, dass dies die der Vorgänger, das ursprüngliche Manuskript ist. Viele Charaktere, die bei der "Nachtigall" wichtige Rollen spielen, werden hier kaum erwähnt, der Schwerpunkt/Fokus ist ein anderer. Und so wird auch der im "Vorgänger" so wichtige "Tom Robinson-Fall" nur kurz angeschnitten. Außerdem ist der "Wächter" aus der dritten Person geschrieben, was alles etwas distanzierter wirken lässt. So hat die "Nachtigall" atmosphärisch die Nase vorn, jedoch sollte man, meiner Meinung nach, diese beiden sensationellen Werke nicht miteinander vergleichen, da sie jeder für sich ihren Charme haben. So is es sehr interessant zu sehen, wie sich die rebellische Scout weiterentwickelt hat, jedoch eindeutig immernoch das -von den Lesern geliebte- kleine, störrische Mädchen ist. Dadurch habe ich mich vor allem über die Rückblenden gefreut, die im "Wächter" eingebaut sind. Die Geschichte reflektiert die Zeit, in der sie spielt, das darf man nicht aus den Augen verlieren. Es werden die Gefühle der lokalen Bevölkerung vermittelt, ihre Ablehnung oder Billigung der NAACP (Nationale Organisation für die Förderung farbiger Menschen), und Harper Lee ist damit aufgewachsen, was ihrer Geschichte Authentizität verleiht.

Fazit:

In einer Zeit, in der sich nicht nur im Süden der USA, dort aber besonders zeigt, dass der Rassismus keinen Deut überwunden ist, und das Land zu spalten droht, ist „Gehe hin, stelle eine Wächter“ von einer unter die Haut gehenden Aktualität. Ich empfehle, dass man "Wer die Nachtigall stört" vor diesem Roman lesen sollte, da sie zusammen sehr gut funktionieren.

Summer♥

Geschrieben von Summer

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