Buchbewertung: 'Wer die Nachtigall stört'

Veröffentlicht auf 18. Oktober 2015

Buchbewertung: 'Wer die Nachtigall stört'

Mut heißt: von vornherein wissen, dass man geschlagen ist, und trotzdem den Kampf - ganz gleich, um was es geht - aufnehmen und ihn durchstehen.
Man gewinnt selten, aber zuweilen gelingt es.

Atticus Finch, "Wer die Nachtigall stört"

Inhalt:

Die Geschwister Scout und Jem Finch wachsen in einer äußerlich idyllischen Welt heran, erzogen von ihrem Vater Atticus, einem menschenfreundlichen Anwalt. Auf den weiten Rasenflächen des fiktiven Örtchens Maycomb, Alabama, auf denen weiße Villen und tropische Bäume stehen, erfahren sie die Freuden und Geheimnisse des Heranwachsens. Doch durch die alte Gesellschaft des Südens ziehen sich tiefe Risse: zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Arm und Reich. Als Scouts Vater, der Anwalt, die Verteidigung eines schwarzen Landarbeiters übernimmt, der angeblich ein weißes Mädchen vergewaltigt hat, erfährt die Achtjährige staunend, dass die Welt viel komplizierter ist, als sie angenommen hat. Tapfer versucht sie, die demokratischen Gerechtigkeitsideale ihres Vaters gegen alle Anfechtungen hochzuhalten, und gerät selbst in Gefahr …

Meinung:

In der Kleinstadt Maycomb leben die Menschen noch nach altem Muster, Rassenhass und Vorurteile gegen Farbige gehören zum Lebensalltag dazu. Scout beschreibt aus der kindlichen Position heraus ihre Sicht der Dinge und dadurch wird unterschwellig Kritik geübt, die sich durch den gesamten Roman zieht. Diese besondere Erzählperspektive macht die Geschichte so einzigartig und besonders. Für mich als Leser war es sehr befremdlich, dass die Afroamerikaner von den Bewohnern nur als "Nigger" bezeichnet wurden, da dies heutzutage als Schimpfwort gilt, dort aber alltäglich und normal benutzt wird. Nicht nur die bewegende Geschichte, sondern auch die Figuren sind Harper Lee sensationell gelungen. So haben wir beispielsweise Atticus, Scouts Vater, der nicht nur vor dem Gesetz für die Gleichheit und Toleranz einsteht, sondern auch ein liebevoller Vater für seine Kinder ist und sie zu verantwortungsbewußten, toleranten Menschen erzieht. Dieser Charakter des Atticus ist der Autorin so unvergleichlich gut gelungen, dass man als Leser fast an seinem Mensch-Sein zweifelt. Ihn umgibt eine wunderbare Aura, die den Leser in einen Bann zieht.

Fazit:

Die Gesellschaftskritik der Autorin wird durch die naive Sicht der kleinen Protagonistin überdeutlich gemacht und man liest betroffen den offenen Rassenhass und das daraus resultierende Unrecht. "Wer die Nachtigall stört" ist vom Inhalt her immer wieder aktuell, denn Mobbing und Diskriminierung sind auch noch heute ein stark umstrittenes und aktuelles Thema. Der schön zu lesende Erzählstil ist sehr warmherzig und mit einem feinen Humor, einfühlsam und dennoch spannend zu verfolgen.
Selten bewegte mich ein Buch mehr als dieses und ich werde es immer wieder lesen. Ein Buch über Menschlichkeit und Toleranz, die jeder leben sollte.

P.S.: Die Verfilmung (1962 erschienen) werde ich mir so schnell wie möglich ausleihen, und sehen, wie dieses wundervolle Buch dort umgesetzt wurde. Außerdem erschien Mitte 2015 die Fortsetzung des Klassikers, "Gehe hin, stelle einen Wächter", die Vorfreude darauf, dieses Buch zu lesen ist ntürlich sehr groß.

Summer

Geschrieben von Summer

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