Buchbewertung: 'Jugend ohne Gott'

Veröffentlicht auf 5. Juli 2015

Buchbewertung: 'Jugend ohne Gott'

Wenn kein Charakter mehr geduldet wird, sondern nur der Gehorsam, geht die Wahrheit und die Lüge kommt.
Die Lüge, die Mutter aller Sünden.

Eigentlich ist es für uns sowas wie ein ungeschriebenes Gesetz, keine Schulbücher zu reviewen, da sie uns meistens nicht gefallen und wir sie eher genervt abarbeiten, statt mit freude zu lesen. Heute habe ich jedoch mal einen Roman für euch, den wir im Deutschunterricht gelesen haben, und der mich positiv überrrascht und umgehauen hat.

Ist Horváths 'Jugend ohne Gott' heute also noch lesenswert?

Meinung: Man könnte, wie ich, am Anfang meinen, dieser Roman sei trocken, lieblos erzähl, vielleicht sogar etwas langweilig, da der Erzähler, ein Lehrer mittleren Alters, einsam ist und nur noch auf seine Rente zusteuert. Doch da weiß man noch nicht, wie viel Tiefe in dem Roman steckt und wie viel in den grade mal 142 Seiten passiert. Man befindet sich im Nazideutschland der 30er Jahre und muss sich durch den Protagonisten mit Themen wie Moral, Wahrheit und Lüge auseinandersetzen. Wie der Titel schon eranen lässt, spielt auch Gott eine große Rolle in dem Roman. Es kommen Fragen auf wie: 'Wenn es Gott geben soll, warum gibt es dann so viel Leid auf der Welt' oder 'Wie wirkt sich eine stark geprägte Ideologie auf die Jugend aus, und wie kann man sich darunter individuell entwickeln'. Horváth zeigt uns viele verschiedene Figuren, deren Handlungen und Hintergründe verdeutlichen, wie wichtig unser Umfeld für uns ist, wie sie uns prägt, dass wir jedoch trotzdem unser eigener Herr sind und dass wir für die Dinge, an die wir glauben einstehen sollten. Wir beobachten einen Wandel, der den anfangs gottlosen, gleichgültigen Lehrer zu einem frommen, liebenden Menschen werden lässt. Wie es aber dazu kommt, solltet ihr selber lesen.

Fazit: Trotz der Situation, die wir heute haben (eine Demokratie mit Meinungsfreiheit) ist Ödön von Horváths 'Jugend ohne Gott' äußerst aktuell. Auch heute gibt es Situationen, in denen wir uns nicht sicher sind, ob wir moralisch richtig handeln und es gibt immernoch Sachen, für die wir uns einsetzten können und sollten. Die Messages, die der Roman überbringen soll, sind in den Zeilen versteckt, und drängen sich einem nicht auf. Der Roman ist lehrreich, aber spannend. Genau das Gegenteil von dem was wir eigentlich in der Schule behandeln. Die thrillerartige Geschichte und der Schreibstil machen das Lesen des Buches zu einem Vergnügen. Und vielleicht nimmt man ja am Ende die ein oder andere Botschaft mit, und denkt mal darüber nach.

Summer

Geschrieben von Summer

Veröffentlicht in #Buchbewertung

Repost 0
Kommentiere diesen Post